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Sprache und Schrift

Was ist Tamazight?

Eine Sprache, viele Formen, ein Name, der „freie Menschen“ heißt

Tamazight ist keine einzelne Sprache mit einer Aussprache, sondern eine Familie eng verwandter Formen, die von Marokko bis in die Oasen Ägyptens gesprochen werden.

Wer in Nordafrika nach „der Berbersprache“ fragt, bekommt fast immer eine Gegenfrage: welche? Tamazight ist ein Dach, kein einzelnes Haus. Darunter stehen Sprachformen, die miteinander verwandt sind wie Deutsch und Niederländisch: nah genug, um die Verwandtschaft zu hören, weit genug, dass man sich nicht ohne Weiteres versteht.

Der Name

Amazigh ist die Eigenbezeichnung, Plural Imazighen. Übersetzt wird sie meistens mit „freie Menschen“. Tamazight ist die dazugehörige Sprache; die Vorsilbe ta- und die Endung -t bilden im Amazigh regelmäßig weibliche Formen, und Sprachnamen sind weiblich. Das Wort „Berber“ geht auf das griechische bárbaros zurück, den Fremden, dessen Sprache man nicht versteht. Es ist eine Fremdbezeichnung, und viele empfinden sie als abwertend. In diesem Text steht deshalb Amazigh.

Die drei großen Formen in Marokko

In Marokko unterscheidet man üblicherweise drei: Tarifit im Norden, im Rif, rund um Nador, Driouch und Al Hoceïma. Zentralatlas-Tamazight in der Mitte des Landes, im Mittleren Atlas. Tachelhit im Süden, im Souss und im Hohen Atlas. Dazu kommen Formen in Algerien (Kabylisch, Chaouia, Mzab), das Tamascheq der Tuareg in der Sahara und kleine Sprachinseln bis nach Siwa in Ägypten.

Was sie gemeinsam haben

Der Bau ist überall derselbe. Substantive tragen einen Vokal am Anfang, der Geschlecht und Zahl mitführt: argaz der Mann, tamghart die Frau, ixef der Kopf. Genau deshalb beginnt in jeder Wortliste ein auffällig großer Teil der Wörter mit a oder i: das ist Grammatik, kein Zufall. Verben werden nicht nur am Ende, sondern auch am Anfang gebeugt. Und in fast allen Formen steht das Verb gern vor dem Subjekt.

Der Weg zur Amtssprache

Über Jahrhunderte war Amazigh vor allem die Sprache der Familie, des Hauses und des Marktes, weitergegeben von Generation zu Generation. 2001 wurde in Marokko das Königliche Institut für Amazigh-Kultur (IRCAM) gegründet, und die Verfassung von 2011 erkennt Amazigh neben dem Arabischen als Amtssprache an. Seither wird die Sprache standardisiert, in Schulen unterrichtet und im öffentlichen Leben sichtbar: auf Ortsschildern, an öffentlichen Gebäuden, im Fernsehen. Auch Algerien erkennt Tamazight seit 2016 als Amtssprache an.

Was das für dich heißt

Wenn du Tamazight lernen willst, ist die erste Frage nicht „wo fange ich an“, sondern „welches“. Für die meisten mit Wurzeln im Rif ist die Antwort: das Tamazight des Rif, auch Tarifit genannt. Die Wörter aus einem allgemeinen Tamazight-Kurs klingen dort oft anders. Diese Seite hält sich deshalb an das Tamazight des Rif und sagt, woher jedes Wort kommt.

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