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Sprache und Schrift

Tifinagh

Die Schrift der Amazigh: von Felsinschriften zu Straßenschildern

Eine der ältesten Schriften Afrikas, jahrhundertelang fast nur von Tuareg-Frauen weitergegeben, und seit 2003 offizielles Schulalphabet in Marokko.

Tifinagh sieht aus wie Geometrie: Kreise, Kreuze, Punkte, Striche. Der Eindruck täuscht nicht ganz. Die Zeichen sind alt, sie wurden in Stein geschlagen, bevor sie auf Papier standen, und ihre Formen haben sich seit der Antike weniger verändert als die meisten Alphabete der Welt.

Herkunft

Die Vorläufer heißen in der Forschung libysch-berberische Schrift. Inschriften davon finden sich in ganz Nordafrika, die ältesten sicher datierten stammen aus vorchristlicher Zeit. Woher die Zeichen kommen, ist nicht geklärt: ein Teil der Forschung sieht phönizischen Einfluss, ein anderer eine eigenständige Entwicklung. Sicher ist, dass die Schrift nie ganz abriss.

Die Tuareg-Linie

Während im Norden Arabisch und später Latein die Schriftlichkeit übernahmen, blieb Tifinagh bei den Tuareg in Gebrauch: vor allem unter Frauen, für kurze Nachrichten, Namen, Zeichen auf Gegenständen. Ohne diese Linie wäre die Schrift wahrscheinlich nur noch Archäologie.

Neo-Tifinagh

In den 1960er Jahren wurden die Zeichen wieder aufgegriffen und zu einem vollständigen Alphabet für die heutige Sprache ausgebaut. Diese Fassung heißt Neo-Tifinagh. 2001 gründete Marokko das Königliche Institut für Amazigh-Kultur (IRCAM); 2003 wurde Neo-Tifinagh als Schrift für Amazigh festgelegt und in den Schulunterricht aufgenommen. Seit 2005 hat die Schrift einen eigenen Unicode-Block (U+2D30 bis U+2D7F): deshalb kannst du sie auf dieser Seite lesen, ohne ein Bild zu laden.

Wie viele Zeichen?

Darauf gibt es keine einzige richtige Antwort, und das ist kein Ausweichen. Das IRCAM-Alphabet führt 33 Zeichen, wenn man die beiden labialisierten Formen und das ⵕ mitzählt; ohne sie kommt man auf 31. Manche Darstellungen zählen 30 Grundzeichen plus Erweiterungen. Die Zeichen sind überwiegend Konsonanten, dazu gibt es eigene Vokalzeichen: anders als im Arabischen, wo Vokale meist ungeschrieben bleiben.

Wo sie heute steht

Auf Ortsschildern in Marokko, an öffentlichen Gebäuden, in Schulbüchern, in Logos, auf Kleidung. Für viele ist Tifinagh auch ein Zeichen der Verbundenheit mit der eigenen Herkunft: ein Alphabet, das zur Sprache gehört. Geschrieben wird der Alltag trotzdem meist in lateinischen Buchstaben oder auf Arabisch.

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