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Kultur und Zeichen

Die Kultur der Amazigh

Musik, Dichtung, Handwerk, Feste

Eine Kultur, die das meiste nicht aufgeschrieben, sondern gesungen, geknüpft und getanzt weitergegeben hat.

Wer Amazigh-Kultur sucht, sucht sie am falschen Ort, wenn er in Bibliotheken sucht. Das Gedächtnis liegt in Liedern, Mustern, Festen und Handgriffen. Das hat einen Preis (vieles ist verloren) und einen Vorteil: Es lebt, wo es noch praktiziert wird.

Musik

Die Instrumente sind wenige und alt. Der Bendir, eine Rahmentrommel mit einer Schnarrsaite auf der Innenseite, die dem Ton seinen typischen Zischer gibt. Der Ribab, eine einsaitige Fiedel. Die Gimbri oder Loutar, eine gezupfte Laute mit drei Saiten. Dazu Flöten und vor allem Stimmen im Wechsel.
Regional sieht das sehr verschieden aus: Ahidous im Mittleren Atlas, Ahwash im Souss, Reggada im Osten und im Rif. Die Amazigh-Kriegstanzform Taskiwin aus dem westlichen Hohen Atlas wurde 2017 von der UNESCO auf die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes gesetzt: dringend deshalb, weil kaum noch junge Leute sie lernen.

Dichtung

Im Rif heißen die gesungenen Kurzgedichte Izran: zwei Zeilen, oft im Wechselgesang, oft von Frauen, oft über Liebe, Abschied und Auswanderung. Sie wurden nicht gedruckt, sondern behalten. Wer heute alte Izran sammelt, sammelt die Erinnerung einer Generation, die zum großen Teil nach Europa gegangen ist.

Handwerk

Teppiche mit geometrischen Mustern, deren Zeichen sich wiederholen und lesen lassen: Fruchtbarkeit, Schutz, Wasser. Silberschmuck, oft mit denselben Formen. Töpferei ohne Scheibe, von Frauen gefertigt und bemalt. Holz, Leder, geflochtene Halfa. Das Muster ist dabei selten Dekoration allein; es ist die zweite Schrift einer Kultur, die lange keine erste hatte.

Feste

Yennayer, das Amazigh-Neujahr, wird traditionell am 12. oder 13. Januar begangen; in Marokko ist es seit 2024 gesetzlicher Feiertag am 14. Januar. Die Jahreszählung beginnt bei 950 v. Chr.: eine moderne Festlegung von 1980, die sich auf den libyschstämmigen Pharao Schoschenq I. bezieht. 2026 ist demnach das Jahr 2976. Dazu kommen Moussems, lokale Wallfahrtsfeste, und im Hohen Atlas das Hochzeitsfest von Imilchil.

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